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Sandkuehler
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7. -Lyrisches Intermezzo I
Im wunderschönen Monat Mai,
als alle Knospen sprangen,
da ist in meinem Herzen
die Liebe aufgegangen
Im wunderschönen Monat Mai
da hab ich ihr gestanden
mein Sehnen und Verlangen
Heinrich Heine (1797-1856)
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8. -Maiensonntag
Früh um vier bin ich erwacht,
hatte eine schlechte Nacht,
träumte einen bösen Traum.
Lieg` nun im Bett mit dumpfem Sinnen;
lass` die Zeit vorüberrinnen;
Finsternis erfüllt den Raum.
In mir beginnt`s zu überlegen,
was sich alles heut` soll regen.
Sind die Pflichten schon bereit?
Doch dann schleicht in meine Dösung
Lebensfreude und Erlösung:
Es ist Sonntag, ich hab` Zeit.
Langsam beginnt die Nacht zu bleichen,
böse Träume, Sorgen weichen.
Ist da nicht ein Sonnenstrahl?
Nicht mehr länger kann ich liegen,
denn der Tag, die Freude siegen,
die Sonne lässt mir keine Wahl.
Schnell mach` ich mich aus den Kissen.
Waschen, barten, ein paar Bissen,
dann verlasse ich das Haus.
Auf der Strasse gähnt die Leere,
worüber ich mich nicht beschwere,
denn ich will ins Land hinaus.
Zügig lenk` ich meine Schritte,
bleibe in der Straßenmitte,
denn es stört noch kein Verkehr.
Und nach einer knappen Stunde
seh` ich in der weiten Runde
nichts mehr von dem Häusermeer.
Seh` nur noch Äcker, Wiesen, Bäume,
blauen Fluss und weite Räume;
bin mitten drin in der Natur.
Denk` nicht mehr an Arbeit, Mühe
und den Chef, der in der Frühe
jedes Tages schon spielt stur.
Kirschbäume blüh`n und Aprikosen.
In der Ferne leises Tosen;
es ist im Bach der Wasserfall.
Ein Rabe krächzt sein Lied vom Morgen
und ein Kuckuck, voller Sorgen,
hört eig`nen Ruf im Widerhall.
Ich ziehe durch die Wiesen, Auen
und freue mich am Wind dem lauen,
der heut` vielleicht noch Regen bringt.
Ich seh` den Weih am Himmel gleiten
und seh`ein junges Mädchen reiten,
das leise von der Liebe singt.
Die Sonne streichelt mich am Rücken
und ich fühle voll Entzücken,
dass auch in mir die Sehnsucht keimt;
der Wunsch, es möcht` in meinem Leben
noch manchen Maiensonntag geben
und noch mancher Vers sich reimt.
In der Ferne Kirchenglocken,
die das Volk zur Kirche locken,
um zu loben seinen Herrn.
Ich kann das nicht, denn um zu loben
brauch` ich nicht den Turm da droben;
ich find` ihn schöner halt von fern!
Und ich brauche nicht die lauten
Menschen, die den Turm dort bauten,
denn sie loben mir zu laut.
Und die Kirche, der ich traue
und in die ich gerne schaue,
ist nicht von Menschenhand gebaut.
`s ist die Natur, die Pflanzen, Tiere;
nur die sind`s, nach was ich giere
und was mein altes Herz erfreut.
Nicht etwa, dass ich Menschen meide,
doch schau` ich lieber meine Heide,
die Blumen, die ins Gras gestreut.
Maiensonntag geht zur Neige,
wartet, dass der Mond nun steige
und die rote Sonne sinkt.
Fledermäuse flatternd schwingen;
Nachtigall beginnt zu singen;
Abendstern am Himmel blinkt.
Mit langem Schatten, wie ein Riese,
tritt ein Reh nun auf die Wiese;
wittert in die Abendluft.
Kein anderer Laut durchbricht die Stille,
als das Schlaflied einer Grille.
Wer hier noch stört, der ist ein Schuft.
Drum, um den Zauber nicht zu bannen,
schleich` ich heimlich mich von dannen,
tret` in meine Hütte ein.
Dann such` ich meine alten Kleider,
denn morgen muss ich wieder, leider,
beizeiten auf der Arbeit sein.
© Georg Segessenmann (*1932)
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1. - Mai
Mit Maiglöckchen
läutet das junge Jahr
seinen Duft
Der Flieder erwacht
aus Liebe zur Sonne
Bäume erfinden wieder ihr Laub
und führen Gespräche
Wolken umarmen die Erde
mit silbernem Wasser
da wächst alles besser
Schön ist’s im Heu zu träumen
dem Glück der Vögel zu lauschen
Es ist Zeit sich zu freuen
an atmenden Farben
zu trauen dem blühenden Wunder
Ja es ist Zeit
sich zu öffnen
allen ein Freund zu sein
das Leben zu rühmen.
Rose Ausländer (1901-1988
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2. -Das Birkenbäumchen
Das Birkenbäumchen
Ich weiß den Tag, es war wie heute,
ein erster Maitag, weich und mild,
und die erwachten Augen freute
das übersonnte Morgenbild.
Der frohe Blick lief hin und wieder,
wie sammelt er die Schätze bloß?
So pflückt ein Kind im auf und nieder
sich seine Blumen in den Schoß.
Da sah ich dicht am Wegesaume
ein Birkenbäumchen einsam stehn,
rührend im ersten Frühlingsflaume.
Konnt’ nicht daran vorübergehn.
In seinem Schatten stand ich lange,
hielt seinen schlanken Stamm umfaßt
und legte leise meine Wange
an seinen kühlen Silberbast.
Ein Wind flog her, ganz sacht, und wühlte
im zarten Laub wie Schmeichelhand.
Ein Zittern lief herab, als fühlte
das Bäumchen, daß es Liebe fand.
Und war vorher die Sehnsucht rege,
hier war sie still, in sich erfüllt;
es war, als hätte hier am Wege
sich eine Seele mir enthüllt.
Gustav Falke (1853-1916)
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3. - Der Mai
DER MAI
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.
Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.
Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.
Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!
Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.
Er nickt uns zu und ruft: “Ich komm ja wieder!”
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.
Erich Kästner
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